1D-Motorsimulation

1D-Motorsimulation beschreibt den Motor als System aus eindimensionalen Leitungen, Volumina, Komponenten und Kennfeldern. Sie wird eingesetzt, um Luftpfad, Abgaspfad, Ladungswechsel, Aufladung, Verbrennung, Kühlung und Betriebspunkte schnell zu berechnen. Im Vergleich zur 3D-CFD liefert sie weniger lokale Geometriedetails, ist dafür aber deutlich schneller und für viele Varianten geeignet. Besonders wertvoll ist sie für Motorarchitektur, Turbo-Matching, Kennfeldaufbau, Verbrauch, Drehmoment und transientes Ansprechverhalten.

1D-3D-CFD-Kopplung

1D-3D-CFD-Kopplung verbindet eine eindimensionale Motor- oder Systemsimulation mit einer dreidimensionalen CFD-Simulation. Typisch ist, dass 1D-Modelle Randbedingungen für 3D-CFD liefern und 3D-CFD wiederum Durchflussbeiwerte, Druckverluste, Wärmeübergänge oder Kennwerte zurückgibt. Dadurch können Systemverhalten und lokale Bauteilphysik konsistent bewertet werden. Diese Kopplung ist besonders wertvoll bei Ansaugtrakt, Abgaskrümmer, Turboladerumgebung, Brennraumströmung und Kühlung.

1D-3D-Kopplung vs. reine 3D-CFD

1D-3D-Kopplung verbindet die schnelle Systemebene der 1D-Simulation mit der lokalen Detailauflösung der 3D-CFD. Die 1D-Simulation liefert realistische Randbedingungen wie zeitabhängige Drücke, Temperaturen, Massenströme oder Speziesanteile. Die 3D-CFD berechnet daraus lokale Strömung, Mischung, Wärmeübergang, Druckverlust oder Bauteilbelastung. Reine 3D-CFD betrachtet nur das gewählte Rechengebiet und benötigt dafür geeignete Randbedingungen von außen. Wenn diese Randbedingungen zu stark vereinfacht sind, kann auch eine sehr detaillierte 3D-CFD falsche technische Aussagen liefern. 1D-3D-Kopplung ist besonders sinnvoll bei pulsierenden Motorströmungen, Turboladerumgebung, Ansaugtrakt, Abgaskrümmer, Brennraum und Kühlung. Reine 3D-CFD ist sinnvoll, wenn das Systemumfeld einfach ist oder die Randbedingungen zuverlässig bekannt sind. In komplexen Motorprojekten ist die Kopplung oft belastbarer, weil sie Systemverhalten und lokale Physik konsistent zusammenführt.

1D-CFD

1D-CFD bezeichnet die eindimensionale numerische Berechnung von Strömungen in Netzwerken aus Leitungen, Volumina und Komponenten. Im Motorbereich wird damit vor allem der instationäre Gaswechsel in Ansaug- und Abgassystemen abgebildet. Druckwellen, Massenströme, Temperaturen und Komponentenkennfelder können damit über den Motorzyklus berechnet werden. 1D-CFD ist keine Konkurrenz zur 3D-CFD, sondern eine schnelle Systemebene mit anderen Modellannahmen.

1D-Simulation

1D-Simulation ist eine Simulationsmethode, bei der physikalische Vorgänge entlang einer Hauptströmungsrichtung beschrieben werden. In der Motorentwicklung bedeutet das meist, dass Rohre, Kanäle, Plenen, Ventile, Turbolader und Zylinder als verknüpfte Systemelemente modelliert werden. Die Methode eignet sich sehr gut, um Gesamtsysteme und Betriebsstrategien schnell zu bewerten. Ihre Grenze liegt dort, wo lokale dreidimensionale Effekte wie Wirbel, Strömungsablösung oder Gemischinhomogenität entscheidend werden.

1D-Simulation vs. 3D-CFD

1D-Simulation beschreibt ein System über Leitungen, Volumina, Komponenten und Kennfelder. Sie eignet sich besonders für Luftpfad, Abgaspfad, Ladungswechsel, Aufladung, Kühlkreisläufe, Fahrzyklen und viele Betriebspunkte. 3D-CFD berechnet dagegen lokale Strömungsfelder in realer Geometrie. Damit lassen sich Wirbel, Ablösungen, Druckverluste, Temperaturfelder, Mischung und Wandwärmeübergang räumlich auflösen. 1D-Simulation ist schnell und systemorientiert, 3D-CFD ist detaillierter und rechenintensiver. In der Motorentwicklung liefert 1D-Simulation häufig Randbedingungen für 3D-CFD. Umgekehrt kann 3D-CFD Durchflussbeiwerte, Druckverluste oder Wärmeübergänge für 1D-Modelle erzeugen. Die beste Vorgehensweise ist oft die Kombination beider Methoden statt die Entscheidung für nur eine Simulationswelt.

Abgaskrümmer

Der Abgaskrümmer sammelt die Abgase der einzelnen Zylinder und führt sie zur Turbine, Abgasnachbehandlung oder Abgasanlage. In der 1D-Motorsimulation wird er über Rohre, Verzweigungen, Volumina, Wärmeübergang und Druckwellen modelliert. Seine Geometrie beeinflusst Abgasgegendruck, Turboladeranregung, Pulsauflösung, Temperaturverlauf und Zylinderwechselwirkungen. Für aufgeladene Motoren ist ein realistisches Abgaskrümmermodell besonders wichtig für Turbo-Matching und transientes Ansprechverhalten.

Abgasnachbehandlungssimulation

Abgasnachbehandlungssimulation berechnet das Verhalten von Katalysatoren, Partikelfiltern, SCR-Systemen und Sensorik im Abgasstrang. Sie betrachtet Temperaturverlauf, Massenströme, Schadstoffumsatz, Speicherverhalten, Regeneration und Regelstrategie. Besonders wichtig ist sie für Kaltstart, Warmlauf, Realbetriebsemissionen und gekoppelte Motor-Abgasnachbehandlungs-Kalibrierung. In 1D-Umgebungen kann sie mit Motorbetrieb, Abgastemperatur und Abgasmassenstrom direkt verknüpft werden.

Abgaspfadsimulation

Abgaspfadsimulation berechnet den Weg der Verbrennungsgase vom Auslassventil bis zur Abgasnachbehandlung oder Umgebung. Sie betrachtet Abgaskrümmer, Turbine, Katalysatoren, Filter, Rohre, Schalldämpfer und Druckwellen. Wichtige Größen sind Abgasgegendruck, Abgasenthalpie, Turbinenleistung, Temperaturverlauf und Pulsation. Eine gute Abgaspfadsimulation ist wichtig für Turboladerauslegung, Ladungswechsel, Emissionen, Thermomanagement und Bauteiltemperaturen.

Abgasplenum

Ein Abgasplenum ist ein Sammelvolumen im Abgassystem, in dem Abgasströme zusammengeführt oder beruhigt werden. Es kann Druckpulsationen dämpfen, Abgasströme mischen und die Anströmung nachfolgender Komponenten beeinflussen. In der 1D-Motorsimulation wird es verwendet, um Volumeneffekte, Temperaturmischung und Druckdynamik im Abgastrakt abzubilden. Die Auslegung ist relevant für Turbinenanströmung, Abgasgegendruck, Abgasnachbehandlung und transiente Vorgänge.

Abgasrohrlänge

Die Abgasrohrlänge beschreibt die Länge des Strömungspfads vom Auslasskanal bis zur Zusammenführung oder Turbine. Sie beeinflusst Druckwellen, Pulsauflösung, Abgasgegendruck, Restgasanteil und Turboladeranregung. Bei aufgeladenen Motoren kann die Abgasrohrlänge entscheidend dafür sein, wie gut Abgaspulse auf die Turbine wirken. In 1D-Modellen wird sie gezielt variiert, um Ladungswechsel, Turbinenleistung und transienten Ladedruckaufbau zu bewerten.

Abgastemperatur

Die Abgastemperatur beschreibt die Temperatur der Verbrennungsgase im Abgastrakt. Sie beeinflusst Turboladerleistung, Katalysatoraktivität, Bauteilschutz, Abgasnachbehandlung und Wärmeeintrag in benachbarte Komponenten. In der 1D-Motorsimulation hängt sie von Brennverlauf, Lambda, Wirkungsgrad, Wandwärmeverlust, Ladungswechsel und Rohrwärmeübergang ab. Der Abgleich mit Messdaten ist wichtig, weil Abgastemperaturen stark modell- und randbedingungsabhängig sind.

AGR-Rate

Die AGR-Rate beschreibt den Anteil des rückgeführten Abgases an der angesaugten Frischladung. Sie ist eine wichtige Stellgröße zur Senkung von Verbrennungstemperatur und NOx Emissionen. Gleichzeitig beeinflusst sie Zündverhalten, Brenndauer, Klopfneigung, Luftmassenstrom und Turboladerbetrieb. In 1D-Motorsimulationen wird die AGR-Rate häufig zur Bewertung von Emissionen, Wirkungsgrad und Betriebsstrategie variiert.

Ansaugplenum

Das Ansaugplenum ist ein Sammelvolumen im Ansaugsystem, das Luft oder Gemisch auf mehrere Ansaugrohre verteilt. Es wirkt als Druckspeicher und beeinflusst Druckpulsationen, Zylinderfüllung, Gleichverteilung und Ansprechverhalten. In der 1D-Motorsimulation wird es meist als Volumenmodell mit mehreren Ein- und Auslässen abgebildet. Größe, Form und Anschlusslage des Plenums können Drehmomentverlauf, Ladungswechsel und Zylinder zu Zylinder Verteilung deutlich beeinflussen.

Ansaugrohr

Das Ansaugrohr ist der einzelne Strömungskanal, der vom Saugrohr oder Plenum zu einem Zylinder führt. Länge, Durchmesser, Volumen und Querschnittsverlauf beeinflussen Druckwellen, Resonanzaufladung, Zylinderfüllung und Gleichverteilung. In der 1D-Motorsimulation wird das Ansaugrohr als Leitung mit realen Verlusten und Wellenausbreitung modelliert. Die Auslegung ist besonders wichtig für Drehmomentverlauf, Ansprechverhalten und Ladungswechsel.

Aufladesystemsimulation

Aufladesystemsimulation berechnet das Verhalten von Turboladern, Kompressoren, Ladeluftkühlern, Wastegates, VTG-Systemen und Bypasspfaden. Ziel ist es, Ladedruck, Luftmassenstrom, Turboladerdrehzahl, Wirkungsgrad und transientes Ansprechverhalten über das Motorkennfeld zu bewerten. Sie ist ein zentrales Werkzeug für Turbo-Matching und Downsizing-Konzepte. Besonders bei Wasserstoffmotoren und Hochleistungsmotoren ist die Aufladung eng mit Luftüberschuss, Klopfgrenze, NOx und Bauteilschutz verbunden.

Äquivalenzverhältnis

Das Äquivalenzverhältnis beschreibt das Verhältnis des tatsächlichen Kraftstoff-Luft-Verhältnisses zum stöchiometrischen Kraftstoff-Luft-Verhältnis. Es ist der Kehrwert von Lambda. Werte größer 1 bedeuten fettes Gemisch, Werte kleiner 1 bedeuten mageres Gemisch. Das Äquivalenzverhältnis ist besonders nützlich, wenn unterschiedliche Kraftstoffe wie Benzin, Methan und Wasserstoff miteinander verglichen werden.

Betriebspunkt

Ein Betriebspunkt ist ein definierter Zustand, in dem ein Motor oder Teilsystem betrieben wird. Er umfasst meist Drehzahl, Last, Temperaturen, Drücke, Massenströme und ggf. Regelgrößen. Der Begriff ist etwas allgemeiner als Lastpunkt und kann auch Kühlkreislauf, Turbolader, Abgasnachbehandlung oder Komponenten betreffen. Für belastbare Simulationen müssen Betriebspunkte eindeutig beschrieben und mit passenden Randbedingungen gerechnet werden.

Brennverlauf

Der Brennverlauf beschreibt, wie die Verbrennung über Kurbelwinkel oder Zeit fortschreitet. Er zeigt, wann die Verbrennung beginnt, wie schnell die Kraftstoffenergie umgesetzt wird und wann die Verbrennung abgeschlossen ist. In der 1D-Motorsimulation wird der Brennverlauf häufig als Vorgabe, Kalibriergröße oder Ergebnis eines Verbrennungsmodells verwendet. Er beeinflusst Zylinderdruck, Wirkungsgrad, Abgastemperatur, Druckanstiegsrate und Klopfneigung.

Brennverlaufsmodell

Ein Brennverlaufsmodell beschreibt die zeitliche oder kurbelwinkelabhängige Umsetzung des Kraftstoffs im Zylinder. Es kann empirisch, halbempirisch oder prädiktiv aufgebaut sein. Einfache Modelle nutzen vorgegebene Funktionen wie die Wiebe-Funktion, während prädiktive Modelle stärker auf Turbulenz, Flammengeschwindigkeit und Gemischzustand reagieren. Das Brennverlaufsmodell ist entscheidend für Zylinderdruck, Wirkungsgrad, Abgastemperatur und Klopfbewertung.

Brennverlauf vs. Heizverlauf

Der Brennverlauf beschreibt, welcher Anteil der Kraftstoffmasse über Kurbelwinkel oder Zeit bereits verbrannt ist. Typische Kennwerte sind MFB10, MFB50 und MFB90. Der Heizverlauf beschreibt dagegen die Wärmefreisetzungsrate während der Verbrennung. Er zeigt also nicht nur, wie weit die Verbrennung fortgeschritten ist, sondern wie intensiv Wärme zu einem bestimmten Zeitpunkt freigesetzt wird. Der Brennverlauf ist eine kumulative Größe, der Heizverlauf eine Rate. Beide Größen werden häufig aus dem Zylinderdruckverlauf berechnet. Der Brennverlauf eignet sich gut zur Beschreibung von Brennbeginn, Verbrennungsschwerpunkt und Brenndauer. Der Heizverlauf zeigt detaillierter, ob die Wärmefreisetzung schnell, mehrphasig, verzögert oder instabil abläuft. Für 1D-Motorsimulation, Brennverlaufsanalyse und Modellkalibrierung werden beide Größen gemeinsam benötigt.

CO-Modell

Ein CO-Modell beschreibt die Bildung und Oxidation von Kohlenmonoxid im Verbrennungsprozess. CO entsteht, wenn Kohlenstoff im Kraftstoff nicht vollständig zu CO2 umgesetzt wird. Einflussgrößen sind Lambda, Temperatur, lokale Gemischverteilung, Wandnähe, Verweilzeit und unvollständige Verbrennung. In der 1D-Motorsimulation ist ein CO-Modell vor allem für Ottomotoren, Kaltstart, fette Betriebsbereiche und Abgasnachbehandlung relevant.

Co-Simulation

Co-Simulation bedeutet, dass zwei oder mehrere Simulationsmodelle gleichzeitig laufen und während der Berechnung Daten austauschen. Beispiele sind Kopplungen zwischen 1D-Motorsimulation, Regelungsmodell, Thermomanagementmodell oder 3D-CFD. Sie ist sinnvoll, wenn die Wechselwirkung zwischen Modellen zeitabhängig und stark gekoppelt ist. Co-Simulation ist aufwendiger als ein einfacher Datenaustausch und sollte nur eingesetzt werden, wenn der zusätzliche Nutzen die Komplexität rechtfertigt.

Drehzahl

Drehzahl beschreibt, wie schnell sich die Kurbelwelle des Motors dreht. Sie wird meist in Umdrehungen pro Minute angegeben und ist eine der zentralen Achsen im Motorkennfeld. Die Drehzahl beeinflusst Luftmassenstrom, Ventilereignisse, Reibung, Turboladerbetrieb, Brenndauer und mechanische Belastung. In der 1D-Motorsimulation ist sie eine Grundgröße für die Berechnung von Betriebspunkten und transientem Verhalten.

Drehzahlsprung

Ein Drehzahlsprung beschreibt eine schnelle Änderung der Motordrehzahl. Er kann in Prüfstandsversuchen oder Simulationen genutzt werden, um dynamisches Motorverhalten, Turboladerbetrieb, Luftpfadträgheit und Regelung zu bewerten. Die Drehzahl beeinflusst Massenströme, Ventilereignisse, Reibung, Pumpverluste und Brenndauer unmittelbar. In der 1D-Motorsimulation hilft der Drehzahlsprung, die Modellreaktion auf instationäre Betriebsänderungen zu prüfen.

Drosselmodell

Ein Drosselmodell beschreibt den Durchfluss und Druckverlust an einer Drosselklappe oder Drosselstelle. Es berücksichtigt Öffnungswinkel, effektiven Querschnitt, Druckverhältnis und Strömungszustand. Bei Ottomotoren beeinflusst die Drossel stark Laststeuerung, Pumpverluste und transientes Ansprechverhalten. In der Simulation ist ein gutes Drosselmodell wichtig für Teillastbetrieb, Fahrzyklen und Regelungsmodelle.

Druckindizierung

Druckindizierung bezeichnet die hochaufgelöste Messung des Zylinderdrucks über den Kurbelwinkel. Sie liefert die Grundlage für Brennverlaufsanalyse, Heizverlaufsanalyse, Mitteldruckberechnung und Klopfbewertung. In der Motorentwicklung verbindet die Druckindizierung Prüfstandsmessung und Simulation, weil sie den realen thermodynamischen Prozess im Zylinder sichtbar macht. Eine genaue Druckindizierung erfordert passende Sensorik, Winkelbezug, Signalaufbereitung und thermische Korrekturen.

Druckverlaufsanalyse

Druckverlaufsanalyse wertet den gemessenen oder simulierten Zylinderdruck über den Kurbelwinkel aus. Daraus werden Größen wie indizierter Mitteldruck, Heizverlauf, Verbrennungsschwerpunkt, Brenndauer, Druckanstiegsrate und Spitzenzylinderdruck berechnet. Sie zeigt, ob Zündung, Verbrennung, Ladungswechsel und Wärmeverluste zum erwarteten Motorverhalten passen. In der 1D-Motorsimulation ist sie ein wichtiges Werkzeug für Modellkalibrierung und Messdatenabgleich.

Druckverlustmodell

Ein Druckverlustmodell beschreibt den Druckverlust eines Bauteils oder Strömungsabschnitts als Funktion von Massenstrom, Dichte, Temperatur und Geometrie. Es wird für Luftfilter, Kühler, Rohre, Krümmer, Ventile, Katalysatoren oder Drosselstellen eingesetzt. Druckverluste beeinflussen Luftmassenstrom, Pumpverluste, Turboladerarbeit und Wirkungsgrad. In der 1D-Motorsimulation sind realistische Druckverlustmodelle wichtig, damit Systemverhalten und Betriebsgrenzen korrekt abgebildet werden.

Druckwelle

Eine Druckwelle ist eine sich ausbreitende Druckänderung in einem Gas oder Fluid. In Ansaug- und Abgassystemen von Motoren entstehen Druckwellen durch Ventilöffnungen, Ventilschließungen, Verbrennung, Kolbenbewegung und Turboladerinteraktion. Sie beeinflussen Zylinderfüllung, Restgasanteil, Turbinenanregung und Resonanzeffekte. 1D-Motorsimulation ist besonders stark darin, diese instationären Wellenvorgänge effizient über Rohre und Volumina abzubilden.

Durchflusskoeffizient

Der Durchflusskoeffizient beschreibt, wie stark ein realer Durchfluss vom ideal möglichen Durchfluss abweicht. Er berücksichtigt Verluste durch Geometrie, Kontraktion, Reibung, Ablösung und lokale Strömungseffekte. In der 1D-Motorsimulation wird er häufig für Ventile, Drosseln, Öffnungen und Kanäle verwendet. Ein korrekter Durchflusskoeffizient ist wichtig für Massenstrom, Füllung, Druckverlust und Ladungswechsel.

Effektiver Mitteldruck

Der effektive Mitteldruck beschreibt die an der Kurbelwelle nutzbare Motorarbeit bezogen auf den Hubraum. Er berücksichtigt mechanische Verluste und ist daher direkt mit Drehmoment und nutzbarer Motorleistung verbunden. BMEP ist eine zentrale Kennzahl für Leistungsdichte und Motorauslegung. Hohe BMEP Werte stellen erhöhte Anforderungen an Aufladung, Verbrennung, Kühlung, Mechanik und Dauerhaltbarkeit.

Effektiver Strömungsquerschnitt

Der effektive Strömungsquerschnitt beschreibt die wirksame Fläche, durch die ein Fluid unter Berücksichtigung realer Verluste strömt. Er ist oft kleiner als die geometrische Öffnungsfläche. In Ventil-, Drossel- und Komponentenmodellen verbindet er Geometrie und Durchflussverhalten. Für 1D-Motorsimulationen ist diese Größe wichtig, um reale Bauteile mit vereinfachten Modellen korrekt abzubilden.

Effektiver Wirkungsgrad

Der effektive Wirkungsgrad beschreibt, welcher Anteil der Kraftstoffenergie als nutzbare Leistung an der Kurbelwelle verfügbar ist. Er berücksichtigt thermodynamische Verluste, Reibung, Pumpverluste und Nebenaggregate. Für reale Anwendungen ist er besonders wichtig, weil er den tatsächlich nutzbaren Motorwirkungsgrad beschreibt. In der 1D-Simulation wird er genutzt, um Verbrauch, Kennfelder und Konzeptvarianten direkt miteinander zu vergleichen.

Einspritzdauer

Die Einspritzdauer beschreibt, wie lange ein Injektor während eines Einspritzereignisses geöffnet ist. Zusammen mit Einspritzdruck, Injektorgeometrie und Kraftstoffdaten bestimmt sie die eingespritzte Kraftstoffmenge. Eine längere Einspritzdauer kann bei hoher Last notwendig sein, verkürzt aber oft die verfügbare Mischzeit. In der Simulation ist sie wichtig für Gemischbildung, Brennverlauf und Zylinder zu Zylinder Verteilung.

Einspritzzeitpunkt

Der Einspritzzeitpunkt beschreibt, wann Kraftstoff während des Arbeitsspiels eingebracht wird. Er beeinflusst Gemischbildung, Verdampfung, Wandkontakt, Zündverzug, Brennverlauf und Emissionen. Frühe Einspritzung bietet mehr Mischzeit, kann aber Wandbenetzung oder Rückströmung begünstigen. Späte Einspritzung ermöglicht Schichtung und gezielte Laststeuerung, erfordert aber schnelle und stabile Mischung.

Emissionsmodell

Ein Emissionsmodell berechnet oder schätzt die Entstehung von Schadstoffen im Motor oder deren Umwandlung in der Abgasnachbehandlung. In 1D-Motorsimulationen werden Emissionsmodelle häufig für NOx, Ruß, CO und HC eingesetzt. Die Modelle hängen stark von Temperatur, Lambda, Druck, Verweilzeit, Gemischbildung und Verbrennungsverlauf ab. Für belastbare Ergebnisse müssen Emissionsmodelle mit Messdaten, 3D-CFD oder geeigneten Referenzfällen abgeglichen werden.

Fahrzyklussimulation

Fahrzyklussimulation berechnet den Motorbetrieb über einen vorgegebenen Fahrzyklus mit wechselnden Geschwindigkeiten, Lasten und Betriebszuständen. Sie wird genutzt, um Verbrauch, Emissionen, Temperaturen, Batterielast, Hybridstrategie und Abgasnachbehandlung über einen realitätsnahen Zeitverlauf zu bewerten. In der 1D-Motorsimulation können Motor, Luftpfad, Thermomanagement und Abgasnachbehandlung gekoppelt betrachtet werden. Dadurch werden Effekte sichtbar, die in einzelnen stationären Betriebspunkten nicht erkennbar sind.

Fahrzyklussimulation vs. Lastpunktsimulation

Lastpunktsimulation berechnet einzelne definierte Betriebspunkte mit fester Drehzahl, Last und Randbedingungen. Sie ist schnell, übersichtlich und gut geeignet für Kennfelder, Kalibrierung und Variantenvergleiche. Fahrzyklussimulation berechnet dagegen einen zeitabhängigen Ablauf mit wechselnder Geschwindigkeit, Last, Temperaturen und Regelgrößen. Dadurch werden Warmlauf, Lastwechsel, Turboladerdynamik, Abgasnachbehandlung und thermische Speicherwirkungen sichtbar. Ein Lastpunkt kann einen stabilen Zustand sehr genau beschreiben, sagt aber wenig über Übergänge zwischen Zuständen aus. Ein Fahrzyklus zeigt realistischere Betriebsabläufe, ist aber aufwendiger und benötigt mehr Modellinformationen. Für Verbrauchs- und Emissionsbewertung sind Fahrzyklen oft aussagekräftiger. Für Ursachenanalyse, Modellkalibrierung und schnelle Konzeptvergleiche bleiben Lastpunktsimulationen trotzdem unverzichtbar.

Flammengeschwindigkeitsmodell

Ein Flammengeschwindigkeitsmodell beschreibt, wie schnell sich die Flamme unter gegebenen Bedingungen ausbreitet. Es berücksichtigt typischerweise Kraftstoff, Lambda, Druck, Temperatur, Restgas und ggf. Turbulenzeinfluss. In der 1D-Motorsimulation ist es ein wichtiger Baustein für prädiktive Verbrennungsmodelle wie SITurb. Bei Wasserstoffmotoren ist die Flammengeschwindigkeit besonders wichtig, weil Wasserstoff deutlich schneller brennt als viele Kohlenwasserstoffe.

Gaswechselverlust

Gaswechselverlust beschreibt Verluste, die beim Ansaugen und Ausstoßen der Gase entstehen. Ursachen sind Drosselung, Druckverluste im Ansaugtrakt, Abgasgegendruck, ungünstige Ventilsteuerzeiten und Strömungsverluste an Ventilen und Kanälen. Diese Verluste reduzieren die nutzbare Arbeit des Motors und verschlechtern den effektiven Wirkungsgrad. In der 1D-Motorsimulation lassen sich Gaswechselverluste gut über Druckverläufe, Massenströme und PMEP analysieren.

Gefeuerter Betrieb

Gefeuerter Betrieb beschreibt den Motorbetrieb mit aktiver Verbrennung. Dabei entstehen Zylinderdruck, Drehmoment, Abgastemperatur, Emissionen und thermische Belastungen durch die Umsetzung des Kraftstoffs. Im Gegensatz zum Schleppbetrieb enthält der gefeuerten Betrieb die vollständige Kopplung aus Ladungswechsel, Einspritzung, Zündung, Verbrennung und Abgasenergie. Für die Motorentwicklung ist er der relevante Zustand zur Bewertung von Leistung, Verbrauch, Wirkungsgrad und Emissionen.

Gesamtmotormodell

Ein Gesamtmotormodell bildet den vollständigen Motor mit seinen wesentlichen Teilsystemen ab. Dazu gehören typischerweise Zylinder, Kurbeltriebabstraktion, Ansaugtrakt, Abgastrakt, Turbolader, Ladeluftkühler, Ventile, Einspritzung, Verbrennung und ggf. Kühlung oder Abgasnachbehandlung. Es erlaubt die Berechnung von Motorleistung, Drehmoment, Verbrauch, Temperaturen, Massenströmen und Druckverläufen über viele Betriebspunkte. Der Modellierungsgrad muss zur Fragestellung passen, weil ein zu detailliertes Modell unnötig langsam und ein zu grobes Modell ungenau sein kann.

GT-ISE

GT-ISE ist die grafische Arbeitsumgebung innerhalb der GT-Suite, in der Modelle aufgebaut, parametriert und berechnet werden. Dort werden Komponenten wie Rohre, Volumina, Zylinder, Turbolader, Ventile, Kühler oder Regelungsbausteine zu einem Simulationsmodell verbunden. GT-ISE ist damit die zentrale Oberfläche für Modellaufbau, Variantenmanagement und Berechnungsvorbereitung. Für saubere Ergebnisse ist nicht nur die Bedienung wichtig, sondern auch das physikalische Verständnis der Modellannahmen.

GT-Post

GT-Post ist das Auswertewerkzeug der GT-Suite für Simulationsergebnisse. Es wird genutzt, um Kurven, Kennfelder, Druckverläufe, Massenströme, Temperaturen, Wirkungsgrade und Vergleichsgrößen darzustellen. Gute Auswertung ist entscheidend, weil ein 1D-Modell sehr viele Signale und Betriebszustände erzeugt. GT-Post unterstützt dabei, aus Rechenergebnissen technische Aussagen zu Leistung, Verbrauch, Aufladung, Gaswechsel oder Thermomanagement abzuleiten.

GT-Power

GT-Power ist ein Modul der GT-Suite für 1D-Motorsimulation und Motorprozessrechnung. Es wird zur Berechnung von Leistung, Drehmoment, Luftmassenstrom, Verbrauch, Pumpverlusten, Turbolader-Matching, Zylinderdruck und thermodynamischen Vorgängen eingesetzt. Das Tool erlaubt die Abbildung von vollständigen Motormodellen mit Ansaugtrakt, Abgaspfad, Zylindern, Ventilen, Verbrennung und Aufladung. Für Felsaris ist GT-Power besonders wertvoll, weil es Systemsimulation und Motor-Know-how mit CFD-Erkenntnissen verbinden kann.

GT-Power vs. GT-Suite

GT-Suite ist die übergeordnete Simulationsplattform von Gamma Technologies für 1D- und Systemsimulation. GT-Power ist ein Modul innerhalb dieser Plattform mit Schwerpunkt auf Motorprozesssimulation und 1D-Motorsimulation. Mit GT-Power werden typischerweise Zylinder, Ventile, Ansaugtrakt, Abgastrakt, Turbolader, Verbrennung und Motorbetriebspunkte berechnet. GT-Suite umfasst darüber hinaus weitere Domänen wie Thermomanagement, Abgasnachbehandlung, Fahrzeugmodelle, Regelung und Mehrdomänen-Systemsimulation. Vereinfacht gesagt ist GT-Power das Motorwerkzeug innerhalb der größeren GT-Suite Umgebung. In der Praxis werden die Begriffe teilweise unscharf verwendet, weil GT-Power Modelle in GT-Suite aufgebaut und ausgewertet werden. Für SEO und technische Kommunikation sollte GT-Suite als Plattform und GT-Power als Motorsimulationsmodul erklärt werden. Dadurch wird klar, warum Felsaris sowohl Motorprozesswissen als auch Systemsimulationskompetenz anbietet.

GT-Suite

GT-Suite ist eine kommerzielle Simulationsplattform von Gamma Technologies für 1D- und Systemsimulation. In der Motorentwicklung wird sie genutzt, um Motoren, Luftpfade, Abgaspfade, Aufladung, Thermomanagement, Abgasnachbehandlung und Regelungslogik abzubilden. Der Vorteil liegt in der Kombination aus physikalischen Komponentenmodellen, Kennfeldern, Variantenrechnung und schneller Systembewertung. GT-Suite ist besonders relevant, wenn viele Betriebspunkte, Transienten oder Konzeptvarianten effizient untersucht werden sollen.

HC-Modell

Ein HC-Modell beschreibt unverbrannte oder teilweise verbrannte Kohlenwasserstoffe im Abgas. Ursachen sind Wandlöschung, Spalte, Wandfilme, Fehlzündung, schlechte Verdampfung oder unvollständige Verbrennung. In 1D-Motorsimulationen sind HC-Modelle besonders bei Ottomotoren, Kaltstart und transientem Betrieb relevant. Bei Wasserstoffmotoren entstehen aus dem Kraftstoff keine HC-Emissionen, mögliche Beiträge können aber aus Öl oder anderen Kohlenstoffquellen stammen.

Heizverlauf

Der Heizverlauf beschreibt die Wärmefreisetzungsrate während der Verbrennung. Er wird häufig aus dem Zylinderdruckverlauf berechnet und zeigt, wann chemische Energie in Wärme umgesetzt wird. Im Unterschied zum Brennverlauf ist der Heizverlauf eine Rate und zeigt die Intensität der Wärmefreisetzung über den Kurbelwinkel. In der Motorsimulation ist er wichtig für Brennverlaufsanalyse, Verbrennungsmodellierung und Kalibrierung.

Heizverlaufanalyse

Heizverlaufanalyse berechnet aus dem Zylinderdruckverlauf, wie viel Wärme während der Verbrennung freigesetzt wird. Sie nutzt thermodynamische Annahmen, Volumenverlauf, Gasdaten und Wärmeübergangsmodelle. Das Ergebnis hilft, Zündverzug, Brenndauer, Verbrennungsschwerpunkt und mehrphasige Verbrennung zu bewerten. In der 1D-Motorsimulation dient die Heizverlaufanalyse häufig zur Kalibrierung von Brennverlaufsmodellen und zur Validierung des Motorprozessmodells.

Hohenberg-Modell

Das Hohenberg-Modell ist ein empirisches Wärmeübergangsmodell für die Berechnung von Wandwärmeverlusten im Motor. Es nutzt eine andere Korrelation als das Woschni-Modell und wird ebenfalls häufig in Motorprozessrechnungen eingesetzt. Je nach Motor, Betriebspunkt und Brennverfahren kann es zu anderen Wärmeübergangswerten und damit zu anderen Druck- und Temperaturverläufen führen. In der Praxis sollte das Modell anhand von Zylinderdruck, Abgastemperatur und Energiebilanz validiert werden.

IMEP vs. BMEP

IMEP bedeutet indicated mean effective pressure und beschreibt die im Zylinder erzeugte Arbeit bezogen auf den Hubraum. BMEP bedeutet brake mean effective pressure und beschreibt die an der Kurbelwelle nutzbare Arbeit bezogen auf den Hubraum. IMEP wird aus dem Zylinderdruckverlauf berechnet und liegt näher am Brennverfahren. BMEP ist direkt mit nutzbarem Drehmoment und effektiver Motorleistung verbunden. Der Unterschied zwischen IMEP und BMEP entsteht durch Reibung, Pumpverluste und Nebenaggregate. IMEP eignet sich gut zur Bewertung von Verbrennung, Zylinder zu Zylinder Streuung und zyklischen Schwankungen. BMEP eignet sich besser, um Leistungsdichte und reale Motorperformance zu vergleichen. In der Motorsimulation werden beide Größen benötigt, um thermodynamischen Prozess und nutzbare Ausgangsleistung sauber zu trennen.

Indizierter Mitteldruck

Der indizierte Mitteldruck beschreibt die im Zylinder erzeugte Arbeit bezogen auf den Hubraum. Er wird aus dem Zylinderdruckverlauf berechnet und ist unabhängig von der Motorgröße gut vergleichbar. IMEP wird genutzt, um Verbrennung, Last, Zylinder zu Zylinder Streuung und zyklische Schwankungen zu bewerten. Mechanische Verluste sind darin noch nicht enthalten, weshalb IMEP näher am thermodynamischen Brennverfahren liegt als BMEP.

Indizierter Wirkungsgrad

Der indizierte Wirkungsgrad beschreibt, wie effizient die chemische Kraftstoffenergie in indizierte Arbeit im Zylinder umgesetzt wird. Er wird vor den mechanischen Verlusten betrachtet und eignet sich daher gut zur Bewertung des Brennverfahrens. Einflussgrößen sind Brennverlauf, Verbrennungsschwerpunkt, Wandwärmeverlust, Ladungswechsel, Abgasverluste und Verdichtungsverhältnis. In der Modellkalibrierung ist der indizierte Wirkungsgrad eine wichtige Zielgröße für den Abgleich von Druckverlauf und Brennverlauf.

Indizierter Wirkungsgrad vs. effektiver Wirkungsgrad

Der indizierte Wirkungsgrad beschreibt, wie gut die Kraftstoffenergie im Zylinder in indizierte Arbeit umgesetzt wird. Er betrachtet den thermodynamischen Prozess vor mechanischen Verlusten. Der effektive Wirkungsgrad beschreibt, wie viel Kraftstoffenergie als nutzbare Leistung an der Kurbelwelle ankommt. Er enthält zusätzlich Reibung, Pumpverluste und Verluste durch Nebenaggregate. Deshalb ist der effektive Wirkungsgrad immer niedriger als der indizierte Wirkungsgrad. Der indizierte Wirkungsgrad ist besonders hilfreich, um Brennverfahren, Zündlage, Brennverlauf und Wandwärmeverluste zu bewerten. Der effektive Wirkungsgrad ist für Fahrzeug, Kunde und Verbrauch relevanter, weil er die real nutzbare Motorleistung beschreibt. Die Differenz zwischen beiden Größen zeigt, wie stark Mechanik, Ladungswechsel und Nebenaggregate den Motorprozess verschlechtern.

Kennfeldextrapolation

Kennfeldextrapolation bedeutet, ein Kennfeld über den gemessenen oder verfügbaren Bereich hinaus zu erweitern. Das kann notwendig sein, wenn ein Simulationspunkt außerhalb der vorhandenen Messdaten liegt. Die Extrapolation ist immer unsicherer als die Interpolation innerhalb eines Kennfelds. Besonders bei Turboladerkennfeldern, Pumpgrenze, Stopfgrenze und Wirkungsgradinseln muss Kennfeldextrapolation kritisch geprüft werden.

Kennfeldskalierung

Kennfeldskalierung beschreibt die Anpassung eines bestehenden Komponentenkennfelds an eine ähnliche, aber nicht identische Komponente oder Betriebsbedingung. In der Motorsimulation wird sie häufig bei Turboladern, Kühlern, Pumpen oder Durchflusskomponenten genutzt. Dabei werden Größen wie Massenstrom, Druckverhältnis, Wirkungsgrad oder Drehzahl skaliert. Kennfeldskalierung ist praktisch, muss aber plausibel validiert werden, weil sie außerhalb gesicherter Messbereiche zu Fehlern führen kann.

Kennfeldskalierung vs. Kennfeldextrapolation

Kennfeldskalierung passt ein vorhandenes Kennfeld an eine ähnliche Komponente oder geänderte Betriebsbedingung an. Dabei werden z.B. Massenstrom, Druckverhältnis, Drehzahl oder Wirkungsgrad über Skalierungsfaktoren verändert. Kennfeldextrapolation erweitert ein Kennfeld über den vorhandenen Mess- oder Datenbereich hinaus. Skalierung bleibt meist näher an einer bekannten physikalischen Basis, sofern die neue Komponente wirklich ähnlich ist. Extrapolation ist riskanter, weil außerhalb der Datenbasis keine Messabsicherung vorhanden ist. Besonders bei Turboladerkennfeldern können Pumpgrenze, Stopfgrenze und Wirkungsgradinseln außerhalb des gemessenen Bereichs stark falsch eingeschätzt werden. Beide Methoden sind in frühen Projektphasen nützlich, müssen aber transparent gekennzeichnet werden. Für belastbare Entscheidungen sollten skalierte oder extrapolierte Kennfelder später durch Herstellerdaten, Prüfstandsdaten oder validierte 3D-CFD abgesichert werden.

Klopfmodell

Ein Klopfmodell bewertet die Neigung des Motors zu klopfender Verbrennung. Es nutzt Größen wie Druck, Temperatur, Kraftstoffdaten, Restgas, Gemischzusammensetzung und Verweilzeit des Endgases. In der 1D-Motorsimulation kann ein Klopfmodell helfen, Zündzeitpunkt, Ladedruck, Verdichtungsverhältnis und Kühlung abzusichern. Die Qualität hängt stark von Kalibrierung und Messdatenabgleich ab, weil Klopfen sehr empfindlich auf lokale Bedingungen reagiert.

Kopplung 1D-3D

Kopplung 1D-3D beschreibt die Verbindung von 1D-Systemsimulation und 3D-CFD. Die 1D-Simulation liefert schnelle Systemrandbedingungen wie Massenströme, Drücke, Temperaturen oder zeitabhängige Verläufe. Die 3D-CFD liefert lokale Informationen zu Strömung, Druckverlust, Wärmeübergang, Mischung oder Bauteilverhalten. Eine gute Kopplung nutzt beide Modellwelten gezielt, ohne unnötig jede Fragestellung als teure Co-Simulation aufzubauen.

Kraftstoffverbrauch

Kraftstoffverbrauch beschreibt die Menge an Kraftstoff, die ein Motor pro Zeit, Strecke oder Arbeit verbraucht. In der Motorsimulation wird er aus Kraftstoffmassenstrom, Heizwert, Wirkungsgrad und Betriebszustand berechnet. Er ist eine zentrale Zielgröße für Motorkonzepte, Fahrzyklen, Kennfelder und Variantenvergleiche. Für belastbare Aussagen muss klar sein, ob Momentanverbrauch, Zyklusverbrauch oder spezifischer Kraftstoffverbrauch gemeint ist.

Krümmermodell

Ein Krümmermodell beschreibt die Strömung in einem Ansaug- oder Abgaskrümmer. Es bildet Verzweigungen, Zusammenführungen, Druckwellen, Wärmeübergang und Zylinder zu Zylinder Wechselwirkungen ab. Im Ansaugkrümmer beeinflusst es Füllung und Gleichverteilung, im Abgaskrümmer Abgasgegendruck und Turboladeranregung. Für aufgeladene Motoren ist ein gutes Krümmermodell besonders wichtig für Turbo-Matching und transientes Ansprechverhalten.

Kühlkreislaufsimulation

Kühlkreislaufsimulation beschreibt die Systemberechnung von Kühlmittelkreisen, Pumpen, Thermostaten, Kühlern, Wärmetauschern und thermischen Massen. Sie wird genutzt, um Temperaturen, Volumenströme, Druckverluste und Aufheizverhalten in einem Motorkühlsystem zu bewerten. In der 1D-Simulation lassen sich viele Betriebszustände und Regelstrategien effizient untersuchen. Für lokale Hotspots oder detaillierte Bauteiltemperaturen wird sie häufig mit 3D-CFD oder thermischer FEM ergänzt.

Ladedruck

Ladedruck ist der Druck der verdichteten Ansaugluft nach dem Verdichter oder im Ansaugsystem. Er erhöht die Luftmasse im Zylinder und damit das mögliche Drehmoment und die Leistung. Zu hoher Ladedruck kann Klopfen, hohe Abgastemperaturen, mechanische Belastung oder Turboladergrenzen verursachen. In der 1D-Motorsimulation ist Ladedruck eine zentrale Größe für Turbo-Matching, Volllast und transientes Ansprechverhalten.

Ladedruckregelung

Ladedruckregelung beschreibt die Steuerung des gewünschten Ladedrucks über Wastegate, VTG, Bypass, Drosselung oder elektrische Unterstützung. Ziel ist ein schneller, stabiler und sicherer Ladedruckaufbau. Die Regelung muss Turboladerdrehzahl, Pumpgrenze, Abgastemperatur, Klopfgrenze und Drehmomentanforderung berücksichtigen. In 1D-Motorsimulationen wird sie genutzt, um transientes Verhalten und Betriebsgrenzen realistisch abzubilden.

Ladeluftkühler-Modell

Ein Ladeluftkühler-Modell beschreibt die Abkühlung der verdichteten Ansaugluft nach dem Verdichter. Es berechnet Temperaturänderung, Druckverlust, Wärmeübertragung und ggf. thermische Trägheit. Die Kühlung der Ladeluft erhöht die Dichte und kann Klopfneigung sowie Bauteiltemperaturen reduzieren. In der 1D-Motorsimulation ist das Modell wichtig für Leistungsprognose, Ladedruckregelung, Thermomanagement und transientes Verhalten.

Ladungswechselsimulation

Ladungswechselsimulation berechnet den Austausch von Abgas gegen Frischluft oder Frischgemisch im Motor. Sie betrachtet Ventilsteuerzeiten, Druckwellen, Massenströme, Restgasanteil, Spülung und Zylinderfüllung. In der 1D-Motorsimulation ist sie besonders wichtig, weil Ansaug- und Abgaspfade stark instationär arbeiten. Gute Ladungswechselsimulation hilft, Drehmoment, Verbrauch, Turboladeranregung und Emissionen gezielt zu verbessern.

Ladungswechsel vs. Verbrennung

Ladungswechsel beschreibt den Austausch von Abgas gegen Frischluft oder Frischgemisch im Motor. Er wird durch Ventilsteuerzeiten, Ansaugtrakt, Abgastrakt, Druckwellen, Aufladung und Restgasanteil bestimmt. Verbrennung beschreibt die chemische Umsetzung des Kraftstoffs im Zylinder. Sie wird durch Gemischbildung, Zündung, Lambda, Turbulenz, Druck, Temperatur und Brennraumgeometrie beeinflusst. Ladungswechsel bestimmt, welche Masse, Temperatur und Zusammensetzung vor der Verbrennung im Zylinder vorhanden sind. Die Verbrennung bestimmt daraus Druckverlauf, Wirkungsgrad, Abgastemperatur und Emissionen. Beide Vorgänge sind stark gekoppelt, weil Restgas, Füllung und Ladungsbewegung die Verbrennung direkt verändern. In der 1D-Motorsimulation wird diese Kopplung besonders deutlich, weil Luftpfad, Abgaspfad, Zylinderprozess und Verbrennungsmodell in einem Systemmodell zusammenlaufen.

Last

Last beschreibt, wie stark ein Motor in einem bestimmten Betriebspunkt beansprucht wird. Sie kann über Drehmoment, Mitteldruck, Leistung, Kraftstoffmenge, Luftmassenstrom oder Fahrerwunsch beschrieben werden. In der Motorsimulation beeinflusst die Last Verbrennung, Temperaturen, Ladedruck, Abgasenthalpie und Emissionen stark. Eine klare Definition der Last ist wichtig, weil Volllast, Teillast und Schleppbetrieb völlig unterschiedliche physikalische Zustände darstellen.

Lastpunkt

Ein Lastpunkt beschreibt einen konkreten Zustand des Motors mit definierter Lastanforderung. Er wird häufig über Drehzahl, Drehmoment, Mitteldruck, Ladedruck, Kraftstoffmenge oder Leistung beschrieben. In der Simulation dient ein Lastpunkt dazu, einen bestimmten Betriebszustand gezielt zu analysieren. Lastpunkte sind wichtig für Kennfeldaufbau, Kalibrierung, Verbrauchsbewertung, Emissionen und Bauteilschutz.

Lastsprung

Ein Lastsprung ist eine schnelle Änderung der Motorlast, z.B. von Teillast auf hohe Last. In der 1D-Motorsimulation wird ein Lastsprung genutzt, um Drehmomentaufbau, Ladedruckdynamik, Luftpfadfüllung, Abgasenthalpie und Regelverhalten zu untersuchen. Besonders bei aufgeladenen Motoren zeigt der Lastsprung, wie stark Turboloch, Überschwingen oder Verzögerungen auftreten. Für die Kalibrierung ist er wichtig, weil Fahrbarkeit, Bauteilschutz, Klopfgrenze und Emissionen gleichzeitig beherrscht werden müssen.

Luftpfadsimulation

Luftpfadsimulation beschreibt die Berechnung des Ansaugsystems vom Eintritt der Luft bis zum Zylinder. Dazu gehören Luftfilter, Airbox, Drosselklappe, Verdichter, Ladeluftkühler, Saugrohr, Einlasskanäle und Ventile. Wichtige Ergebnisgrößen sind Luftmassenstrom, Druckverlust, Ladedruck, Temperatur, Zylinderfüllung und Dynamik bei Lastwechseln. Die Luftpfadsimulation ist entscheidend für Fahrbarkeit, Leistung, Verbrauch und Aufladungsstrategie.

Luftverhältnis Lambda

Das Luftverhältnis Lambda beschreibt das Verhältnis der tatsächlich vorhandenen Luftmenge zur stöchiometrisch benötigten Luftmenge. Lambda 1 bedeutet stöchiometrischen Betrieb, Lambda größer 1 mageren Betrieb und Lambda kleiner 1 fetten Betrieb. Lambda beeinflusst Wirkungsgrad, Verbrennungstemperatur, NOx, Abgastemperatur und Zündstabilität. In 1D-Motorsimulationen ist Lambda eine zentrale Eingangs- und Zielgröße für Brennverfahren und Kalibrierung.

Massenanteil verbrannt

Massenanteil verbrannt beschreibt, welcher Anteil der Kraftstoffmasse zu einem bestimmten Kurbelwinkel bereits umgesetzt wurde. Typische Kennwerte sind MFB10, MFB50 und MFB90. Daraus lassen sich Brennbeginn, Verbrennungsschwerpunkt und Verbrennungsdauer ableiten. In der 1D-Motorsimulation ist der Massenanteil verbrannt eine zentrale Größe für Brennverlaufsmodelle und Druckverlaufsanalyse.

Mechanischer Wirkungsgrad

Der mechanische Wirkungsgrad beschreibt das Verhältnis zwischen effektiver Arbeit an der Kurbelwelle und indizierter Arbeit im Zylinder. Er zeigt, welcher Anteil der im Zylinder erzeugten Arbeit nach Reibung und mechanischen Verlusten übrig bleibt. Einflussgrößen sind Reibung im Kurbeltrieb, Ventiltrieb, Kolbenringpaket, Lagerung, Ölviskosität und Nebenaggregate. Der mechanische Wirkungsgrad ist besonders bei Teillast wichtig, weil Reibungsverluste dort relativ stark ins Gewicht fallen.

Messdatenabgleich

Messdatenabgleich beschreibt den Vergleich von Simulationsergebnissen mit gemessenen Daten. Typische Vergleichsgrößen sind Drehmoment, Leistung, Luftmassenstrom, Ladedruck, Abgastemperatur, Zylinderdruck, Verbrauch und Emissionen. Der Abgleich zeigt, ob Modellannahmen, Kennfelder, Randbedingungen und Kalibrierparameter zum realen Motor passen. Ohne Messdatenabgleich bleibt eine Motorsimulation eher eine Konzeptrechnung als eine belastbare Vorhersage.

Messdatenbasierte Kalibrierung vs. prädiktive Simulation

Messdatenbasierte Kalibrierung passt Modellparameter so an, dass das Simulationsmodell vorhandene Prüfstands- oder Fahrzeugdaten möglichst gut reproduziert. Sie ist sehr wichtig, um reale Motoren belastbar nachzubilden und Modellfehler zu reduzieren. Der Nachteil ist, dass die Aussagekraft stark von Menge, Qualität und Abdeckung der Messdaten abhängt. Prädiktive Simulation versucht, Ergebnisse stärker aus physikalischen Modellen und Eingangsgrößen vorherzusagen. Sie ist besonders wertvoll, wenn neue Konzepte, neue Kraftstoffe oder noch nicht vermessene Varianten bewertet werden sollen. Dafür sind die Modelle komplexer und müssen trotzdem validiert werden. Kalibrierte Modelle sind stark in bekannten Betriebsbereichen, prädiktive Modelle helfen eher bei Extrapolation und Konzeptentscheidungen. In der Praxis ist die beste Lösung meist eine Kombination: physikalisch sinnvolle Modelle, gezielt mit hochwertigen Messdaten kalibriert und validiert.

MFB50

MFB50 bezeichnet den Kurbelwinkel, bei dem 50 Prozent der Kraftstoffmasse verbrannt sind. Die Größe wird häufig als Verbrennungsschwerpunkt verwendet, weil sie die Lage der Hauptwärmefreisetzung gut beschreibt. Ein zu früher MFB50 kann Klopfen, hohe Druckanstiegsraten und hohe Bauteilbelastung begünstigen. Ein zu später MFB50 verschlechtert meist Wirkungsgrad, Drehmoment und Abgastemperatur.

Modellaufbau

Modellaufbau beschreibt den Prozess, aus einer technischen Fragestellung ein lauffähiges Simulationsmodell zu erstellen. Dazu gehören die Auswahl der Modellgrenzen, Komponenten, Geometrien, Kennfelder, Randbedingungen und physikalischen Teilmodelle. In der 1D-Motorsimulation entscheidet der Modellaufbau stark über Rechenzeit, Stabilität und Aussagekraft. Ein sauberer Modellaufbau beginnt daher mit der Frage, ob Architektur, Bauteilursache, Betriebsstrategie, Kalibrierung oder Nachweis untersucht werden soll.

Modellkalibrierung

Modellkalibrierung bedeutet, Modellparameter so anzupassen, dass das Simulationsmodell bekannte Messdaten oder Referenzzustände möglichst gut wiedergibt. In der Motorsimulation betrifft das zum Beispiel Brennverlauf, Reibung, Wärmeübergang, Durchflussbeiwerte, Turboladerkennfelder oder Druckverluste. Kalibrierung darf nicht als willkürliches Anpassen verstanden werden, sondern muss physikalisch plausibel bleiben. Ein gut kalibriertes Modell kann anschließend für Varianten, Betriebspunkte und Konzeptentscheidungen genutzt werden.

Modellreduktion

Modellreduktion beschreibt die Vereinfachung eines komplexen Modells, ohne die für die Fragestellung wichtigen Zusammenhänge zu verlieren. In der Motorsimulation kann ein detailliertes 3D- oder Vollsystemmodell auf Kennfelder, Korrelationen oder vereinfachte Komponenten reduziert werden. Ziel ist kürzere Rechenzeit bei ausreichend genauer Aussage. Modellreduktion ist besonders nützlich für Variantenstudien, Optimierung, Regelungsentwicklung und frühe Konzeptphasen.

Modellvalidierung

Modellvalidierung prüft, ob ein Simulationsmodell die reale Physik für die geplante Anwendung ausreichend genau abbildet. Dazu werden Simulationsergebnisse mit Prüfstandsdaten, Fahrzeugmessungen, Komponentenmessungen oder verlässlichen Referenzfällen verglichen. Validierung beantwortet nicht nur, ob ein Modell rechnet, sondern ob seine Aussagen belastbar sind. Für 1D-Motorsimulation ist Validierung besonders wichtig, weil viele Ergebnisse aus vereinfachten Komponentenmodellen und Kennfeldern entstehen.

Motorkennfeld

Ein Motorkennfeld beschreibt das Verhalten eines Motors über Drehzahl und Last. Typische Kennfeldgrößen sind Drehmoment, Leistung, Verbrauch, Wirkungsgrad, Ladedruck, Luftmassenstrom, Abgastemperatur und Emissionen. In der 1D-Motorsimulation können Kennfelder berechnet, ergänzt oder für Konzeptvergleiche genutzt werden. Ein gutes Motorkennfeld zeigt nicht nur Maximalwerte, sondern auch Betriebsgrenzen wie Klopfen, Abgastemperatur, Turboladerdrehzahl oder Pumpgrenze.

Motorprozesssimulation

Motorprozesssimulation beschreibt die Berechnung des thermodynamischen Arbeitsprozesses eines Motors über Ansaugen, Verdichten, Verbrennen, Expandieren und Ausstoßen. Sie betrachtet Zylinderdruck, Temperatur, Brennverlauf, Wärmeübergang, Gaswechsel und Wirkungsgrad. Der Fokus liegt darauf, den Motorzyklus und seine Auswirkungen auf Leistung, Verbrauch und Emissionen zu verstehen. In 1D-Tools wie GT-Power ist die Motorprozesssimulation eng mit Luftpfad, Abgaspfad und Komponentenmodellen gekoppelt.

Motorprozesssimulation vs. 3D-CFD

Motorprozesssimulation berechnet den thermodynamischen Arbeitsprozess eines Motors über Kurbelwinkel oder Zeit. Sie betrachtet Zylinderdruck, Temperatur, Brennverlauf, Heizverlauf, Ladungswechsel, Wirkungsgrad und Mitteldrücke. 3D-CFD berechnet dagegen lokale Strömung und ggf. Verbrennung in einer dreidimensionalen Geometrie. Motorprozesssimulation ist ideal, um viele Betriebspunkte, Kennfelder, Zündzeitpunkte, Verdichtungsverhältnisse oder Turboladerkonzepte schnell zu bewerten. 3D-CFD ist besser, wenn lokale Ursachen relevant sind, z.B. Gemischinhomogenität, Strahlbild, Flammenausbreitung, Ventilströmung oder Brennraumturbulenz. Die Motorprozesssimulation benötigt vereinfachte Modelle für Wärmeübergang, Verbrennung und Strömungsverluste. 3D-CFD kann diese Modelle mit lokalen Daten verbessern, ist aber viel langsamer. In professionellen Motorprojekten werden beide Ebenen gekoppelt, damit Systemverhalten und Detailphysik zusammenpassen.

Motorsimulation

Motorsimulation ist der Oberbegriff für rechnergestützte Modelle eines Motors oder einzelner Motorsysteme. Sie kann 1D-Motorsimulation, 3D-CFD, Mehrkörpersimulation, Strukturmechanik, Thermomanagement oder Regelungsmodelle umfassen. Im engeren Kontext meint Motorsimulation häufig die 1D-Berechnung von Leistung, Drehmoment, Verbrauch, Luftmassenstrom und Abgasverhalten. Gute Motorsimulation verbindet Modellaufbau, Kalibrierung und Messdatenabgleich zu einer belastbaren Entscheidungsgrundlage.

Motorzyklusmodell

Ein Motorzyklusmodell beschreibt den wiederkehrenden Arbeitszyklus eines Motors über Kurbelwinkel oder Zeit. Es berechnet Zustandsgrößen wie Druck, Temperatur, Masse und Energie im Zylinder und in angrenzenden Systemen. Damit lassen sich Brennverlauf, Ladungswechsel, indizierte Arbeit und Wirkungsgrad analysieren. Ein Motorzyklusmodell ist die Grundlage, um einzelne Betriebspunkte oder ganze Motorkennfelder konsistent zu bewerten.

NOx-Modell

Ein NOx-Modell beschreibt die Bildung von Stickoxiden während der Verbrennung. Es nutzt typischerweise Größen wie Temperatur, Sauerstoffkonzentration, Verweilzeit, Druck und Gemischzusammensetzung. Bei Wasserstoffmotoren ist ein NOx-Modell besonders wichtig, weil aus dem Kraftstoff keine kohlenstoffbasierten Emissionen entstehen, NOx aber weiterhin auftreten kann. In 1D-Simulationen muss die NOx-Vorhersage sorgfältig kalibriert werden, da lokale Brennraumtemperaturen nur vereinfacht abgebildet werden.

Parameterstudie

Eine Parameterstudie untersucht systematisch, wie sich Änderungen einzelner Modellgrößen auf das Simulationsergebnis auswirken. In der 1D-Motorsimulation können das zum Beispiel Ladedruck, Ventilsteuerzeiten, Verdichtungsverhältnis, AGR-Rate, Turboladergröße oder Brennverlauf sein. Parameterstudien helfen, Wirkzusammenhänge zu verstehen und empfindliche Einflussgrößen zu identifizieren. Sie sind besonders nützlich, wenn früh im Projekt viele technische Optionen schnell bewertet werden müssen.

Plenummodell

Ein Plenummodell beschreibt ein größeres Sammelvolumen im Ansaug- oder Abgassystem. Es wird genutzt, um Druck, Temperatur, Masse und Mischung in einem Volumen mit mehreren Zu- und Abflüssen zu berechnen. Plenen können Druckschwingungen dämpfen, Strömungen verteilen oder als Speicher wirken. In 1D-Motorsimulationen beeinflusst das Plenum Füllung, Dynamik, Zylinderverteilung und Regelverhalten.

PMEP vs. FMEP

PMEP bedeutet pumping mean effective pressure und beschreibt die Arbeit des Gaswechsels bezogen auf den Hubraum. FMEP bedeutet friction mean effective pressure und beschreibt die mechanischen Reibverluste bezogen auf den Hubraum. PMEP entsteht durch Ansaugen, Ausstoßen, Drosselung, Abgasgegendruck, Ventilsteuerzeiten und Druckverluste im Luft- und Abgaspfad. FMEP entsteht durch Kolbenringe, Lager, Kurbeltrieb, Ventiltrieb, Ölviskosität und Nebenaggregate. PMEP ist stark vom Betriebspunkt und von der Ladungswechselstrategie abhängig. FMEP hängt stärker von Motormechanik, Drehzahl, Temperatur und Schmierung ab. Beide Größen reduzieren den Unterschied zwischen indizierter und effektiver Arbeit. In der 1D-Motorsimulation ist PMEP besonders gut über Druckverläufe im Ansaug- und Abgassystem analysierbar, während FMEP meist über Reibmodelle oder Messdaten kalibriert wird.

Prädiktives Verbrennungsmodell

Ein prädiktives Verbrennungsmodell berechnet den Brennverlauf aus physikalischen Einflussgrößen statt ihn nur vorzugeben. Es berücksichtigt je nach Modell Turbulenz, Flammengeschwindigkeit, Gemischzustand, Druck, Temperatur, Restgasanteil und Brennraumgeometrie. Dadurch kann es Änderungen an Betriebspunkt, Kraftstoff, Ladungsbewegung oder Aufladung besser abbilden als eine reine Wiebe-Funktion. Der Aufwand für Parametrierung, Kalibrierung und Validierung ist jedoch höher.

Prädiktives Verbrennungsmodell vs. Vibe-Funktion

Eine Vibe- bzw. Wiebe-Funktion beschreibt den Brennverlauf mit einer vorgegebenen mathematischen Kurve. Sie ist robust, schnell und sehr nützlich, wenn ein gemessener Brennverlauf nachgebildet oder ein bekannter Betriebspunkt kalibriert werden soll. Ein prädiktives Verbrennungsmodell berechnet den Brennverlauf stärker aus physikalischen Einflussgrößen. Dazu gehören z.B. Turbulenz, Flammengeschwindigkeit, Lambda, Druck, Temperatur, Restgasanteil und Brennraumgeometrie. Die Wiebe-Funktion ist einfacher und stabiler, hat aber nur begrenzte Vorhersagefähigkeit bei neuen Geometrien oder deutlich veränderten Betriebsstrategien. Ein prädiktives Modell ist aufwendiger zu parametrieren und zu validieren, kann aber Varianten besser bewerten. Besonders bei Wasserstoffmotoren, Gasmotoren und geänderter Ladungsbewegung ist ein prädiktiver Ansatz oft wertvoll. In der Praxis ist die Wiebe-Funktion gut für Kalibrierung und Kennfeldrechnung, während prädiktive Modelle für Konzeptentwicklung und physikalische Extrapolation stärker sind.

Pumpgrenze

Die Pumpgrenze beschreibt im Verdichterkennfeld den Bereich instabilen Verdichterbetriebs bei zu geringem Massenstrom und zu hohem Druckverhältnis. Dort kann die Strömung periodisch abbrechen oder sogar kurzzeitig rückwärts laufen. Im Motor führt Pumpen zu Druckschwingungen, Geräuschen, schlechter Fahrbarkeit und hoher mechanischer Belastung. In der 1D-Motorsimulation wird der Abstand zur Pumpgrenze für stationäre und transiente Betriebspunkte bewertet.

Pumpmitteldruck

Der Pumpmitteldruck beschreibt die Arbeit, die für Ansaugen und Ausstoßen der Gase im Motorprozess aufgewendet oder gewonnen wird. Er ist eng mit Drosselung, Abgasgegendruck, Ventilsteuerzeiten, Aufladung und Ladungswechsel verbunden. Ein ungünstiger PMEP verschlechtert den effektiven Wirkungsgrad, obwohl die Verbrennung selbst gut sein kann. In 1D-Motorsimulationen ist PMEP eine wichtige Größe zur Bewertung von Luftpfad, Abgaspfad und Ventilstrategie.

Pumpverlust

Pumpverlust ist die Arbeit, die der Motor für den Gaswechsel aufbringen muss. Er entsteht z.B. durch Drosselverluste im Ansaugtrakt, Abgasgegendruck oder ungünstige Druckverhältnisse während Einlass und Auslass. Besonders bei Ottomotoren im Teillastbetrieb können Pumpverluste erheblich sein. Maßnahmen wie variable Ventilsteuerung, Entdrosselung, Aufladung oder AGR können Pumpverluste abhängig vom Betriebspunkt reduzieren.

Randbedingungen für 3D-CFD

Randbedingungen für 3D-CFD definieren, wie das Rechengebiet mit seiner Umgebung verbunden ist. In Motorprojekten können sie aus 1D-Simulationen stammen, z.B. zeitabhängige Drücke, Temperaturen, Massenströme oder Speziesanteile. Gute Randbedingungen sind entscheidend, weil sie das lokale 3D-Ergebnis stark beeinflussen. Besonders bei pulsierenden Ansaug- und Abgasströmungen sind realistische transiente Randbedingungen oft wichtiger als eine sehr feine lokale Detailmodellierung.

RDE-Simulation

RDE-Simulation beschreibt die Bewertung eines Antriebs im realitätsnahen Fahrbetrieb unter wechselnden Umwelt- und Fahrbedingungen. RDE steht für Real Driving Emissions und ist besonders relevant für Emissionsverhalten außerhalb des klassischen Prüfstandszyklus. In der Simulation werden Lastdynamik, Temperaturführung, Abgasnachbehandlung, Höhenlage, Umgebungstemperatur und Fahrprofil berücksichtigt. Für moderne Motoren ist RDE-Simulation wichtig, um robuste Emissionsstrategien über breite Betriebsbereiche abzusichern.

Rechenzeit

Rechenzeit beschreibt die Zeit, die ein Simulationsmodell zur Berechnung benötigt. In der 1D-Motorsimulation ist sie meist deutlich geringer als bei 3D-CFD, wodurch viele Betriebspunkte und Varianten möglich werden. Die Rechenzeit hängt von Modellgröße, Zeitschritt, physikalischen Modellen, Transienten, Konvergenz und Hardware ab. Eine gute Modellstrategie balanciert Rechenzeit und Aussagequalität, statt immer das maximal detaillierte Modell zu verwenden.

Reflexion von Druckwellen

Reflexion von Druckwellen tritt auf, wenn eine Druckwelle auf eine Querschnittsänderung, ein Ventil, ein offenes Rohrende, ein Plenum oder eine Verzweigung trifft. Dabei wird ein Teil der Welle zurückgeworfen und kann sich mit weiteren Wellen überlagern. Im Motor kann diese Überlagerung die Zylinderfüllung verbessern oder verschlechtern. Die gezielte Nutzung von Druckwellenreflexion ist ein wichtiges Thema bei Saugrohrlängen, Abgaskrümmern, Resonanzaufladung und Pulsaufladung.

Reibmitteldruck

Der Reibmitteldruck beschreibt die mechanischen Reibverluste eines Motors bezogen auf den Hubraum. Er umfasst Verluste aus Kolbenringpaket, Lagern, Ventiltrieb, Nebenaggregaten und weiteren bewegten Komponenten. In der Motorsimulation wird FMEP genutzt, um den Unterschied zwischen indizierter und effektiver Arbeit zu erklären. Eine realistische FMEP Modellierung ist besonders wichtig für Teillastverbrauch, Wirkungsgrad und Kennfeldberechnung.

Resonanzaufladung

Resonanzaufladung nutzt Druckwellen im Ansaugsystem, um die Zylinderfüllung in bestimmten Drehzahlbereichen zu verbessern. Durch passend gewählte Saugrohrlängen und Volumina kann eine positive Druckwelle zum richtigen Zeitpunkt am Einlassventil ankommen. Dadurch gelangt mehr Luft oder Gemisch in den Zylinder, ohne dass ein Turbolader erforderlich ist. In der 1D-Motorsimulation lässt sich Resonanzaufladung besonders gut untersuchen, weil Rohrlängen, Plenumvolumina und Steuerzeiten schnell variiert werden können.

Restgasanteil

Der Restgasanteil beschreibt den Anteil verbrannter Gase, der im Zylinder verbleibt oder über AGR wieder zugeführt wird. Er beeinflusst Sauerstoffgehalt, Verbrennungstemperatur, Zündverhalten, Klopfneigung und NOx Bildung. Ein moderater Restgasanteil kann Emissionen und Pumpverluste verbessern. Zu viel Restgas kann Verbrennungsstabilität, Drehmoment und Zündfähigkeit verschlechtern.

Rohrmodell

Ein Rohrmodell beschreibt die eindimensionale Strömung in einer Leitung. Es berücksichtigt Länge, Durchmesser, Querschnitt, Reibung, Wärmeübergang, Druckwellen und ggf. Gaszusammensetzung. In Ansaug- und Abgassystemen sind Rohrmodelle wichtig, weil Druckwellen und Laufzeiten den Ladungswechsel beeinflussen. Ein korrektes Rohrmodell ist besonders relevant für Resonanzeffekte, Pulsationen, Abgasführung und transiente Simulationen.

Rohrreibungsverlust

Rohrreibungsverlust entsteht durch Reibung zwischen strömendem Gas und Rohrwand. Er führt zu Druckverlust und reduziert die verfügbare Energie im Ansaug- oder Abgassystem. In 1D-Motorsimulationen wird er über Rohrlänge, Durchmesser, Rauheit, Reynolds-Zahl, Strömungsgeschwindigkeit und Fluiddaten berechnet. Realistische Rohrreibungsverluste sind wichtig für Luftmassenstrom, Pumpverluste, Abgasgegendruck und Turboladerbetrieb.

Rußmodell

Ein Rußmodell beschreibt die Bildung und Oxidation von Rußpartikeln bei der Verbrennung kohlenstoffhaltiger Kraftstoffe. Es ist besonders relevant für Dieselmotoren, Direkteinspritzung und lokal fette Gemischzonen. Einflussgrößen sind Gemischbildung, Temperatur, Sauerstoffverfügbarkeit, Druck, Einspritzstrategie und Verweilzeit. Bei Wasserstoffmotoren ist kraftstoffbedingte Rußbildung nicht relevant, weil Wasserstoff keinen Kohlenstoff enthält.

Saugrohrlänge

Die Saugrohrlänge beschreibt die Länge des Strömungspfads vom Plenum oder Saugrohr bis zum Einlasskanal des Zylinders. Sie beeinflusst Druckwellenlaufzeit, Resonanzeffekte, Zylinderfüllung und Drehmomentverlauf. Lange Saugrohre unterstützen häufig niedrigere Drehzahlen, kurze Saugrohre eher höhere Drehzahlen. In der 1D-Motorsimulation ist die Saugrohrlänge eine wichtige Stellgröße für Ladungswechseloptimierung und Variantenrechnung.

Schleppbetrieb

Schleppbetrieb bezeichnet einen Motorbetrieb ohne Verbrennung, bei dem der Motor von außen angetrieben wird. Er wird genutzt, um Reibung, Pumpverluste, Gaswechsel, Druckverläufe und mechanische Grundverluste zu untersuchen. In der Simulation hilft Schleppbetrieb, Modellanteile ohne Einfluss der Verbrennung zu prüfen. Der Vergleich zwischen Schleppbetrieb und gefeuertem Betrieb ist wichtig, um Reibung, Ladungswechsel und Verbrennungsbeitrag sauber zu trennen.

Simulationslauf

Ein Simulationslauf ist eine einzelne Berechnung eines Simulationsmodells mit definierten Eingaben, Randbedingungen und Einstellungen. Er kann einen stationären Betriebspunkt, einen Lastsprung, einen Fahrzyklus oder eine Variantenrechnung abbilden. Für nachvollziehbare Ergebnisse müssen Version, Parameter, Modellstand und Auswertung dokumentiert werden. In der 1D-Motorsimulation entstehen aus vielen Simulationsläufen Kennfelder, Sensitivitäten und technische Entscheidungsgrundlagen.

Simulationsmodell

Ein Simulationsmodell ist eine vereinfachte, rechnerische Abbildung eines realen technischen Systems. In der 1D-Motorsimulation besteht es aus Komponenten, Gleichungen, Kennfeldern, Randbedingungen und Kalibrierparametern. Ein gutes Modell ist so detailliert wie nötig und so einfach wie möglich. Entscheidend ist, dass Modellstruktur, Annahmen und Validierungsstand zur technischen Fragestellung passen.

SITurb

SITurb ist ein prädiktives Verbrennungsmodell für fremdgezündete Motoren in GT-Power bzw. GT-Suite. Es modelliert die turbulente Flammenausbreitung im Brennraum und nutzt Eingangsgrößen wie Turbulenz, Flammengeschwindigkeit, Gemischzustand und Brennraumgeometrie. Das Modell ist besonders interessant für Otto-, Gas- und Wasserstoffmotoren, bei denen Änderungen an Ladungsbewegung, Lambda oder Zündzeitpunkt bewertet werden sollen. Für belastbare Ergebnisse müssen die Modellparameter sorgfältig mit Zylinderdruck und Brennverlaufsanalyse abgeglichen werden.

SI-Turbulenzmodell

Ein SI-Turbulenzmodell beschreibt bei fremdgezündeten Motoren den Einfluss von Turbulenz auf Flammenausbreitung und Brenngeschwindigkeit. Es verbindet Größen wie turbulente kinetische Energie, Längenskalen, Flammengeschwindigkeit und Brennraumzustand. In 1D-Motorsimulationen wird ein solches Modell genutzt, um den Brennverlauf prädiktiver zu berechnen. Besonders bei geänderten Einlasskanälen, Ventilstrategien, Drall, Tumble oder Wasserstoffbetrieb ist die Turbulenzmodellierung wichtig.

Spezifischer Kraftstoffverbrauch

Der spezifische Kraftstoffverbrauch beschreibt den Kraftstoffmassenstrom bezogen auf die abgegebene effektive Leistung. Er wird häufig in Gramm pro Kilowattstunde angegeben und erlaubt den Vergleich unterschiedlicher Motorgrößen. Niedriger BSFC bedeutet hoher effektiver Wirkungsgrad. In der 1D-Motorsimulation ist BSFC eine wichtige Kennfeldgröße für Verbrauchsoptimierung, Betriebspunktwahl und Konzeptvergleich.

Spezifischer Wasserstoffverbrauch

Spezifischer Wasserstoffverbrauch beschreibt den Wasserstoffmassenstrom bezogen auf die abgegebene effektive Leistung. Er ist die Wasserstoff-Entsprechung zum spezifischen Kraftstoffverbrauch und wird häufig in Gramm pro Kilowattstunde betrachtet. Die Größe eignet sich gut, um verschiedene Betriebspunkte, Brennverfahren und Motorvarianten zu vergleichen. Zusätzlich sollte bei Wasserstoff immer der Tank- und Speichereinfluss betrachtet werden, weil Masse und Volumen sehr unterschiedlich wirken.

Stationärer Betriebspunkt

Ein stationärer Betriebspunkt ist ein Motorzustand, bei dem Drehzahl, Last, Temperaturen, Drücke und Massenströme zeitlich weitgehend konstant sind. Solche Punkte sind gut geeignet für Kennfeldaufbau, Modellkalibrierung, Messdatenabgleich und Grundauslegung. In der Simulation sind stationäre Betriebspunkte meist einfacher und schneller zu bewerten als transiente Manöver. Sie bilden jedoch keine dynamischen Effekte wie Turboloch, Warmlauf, Lastsprünge oder Regelungsverhalten ab.

Stationäre Motorsimulation vs. transiente Motorsimulation

Stationäre Motorsimulation berechnet Betriebspunkte, bei denen Drehzahl, Last, Temperaturen, Drücke und Massenströme zeitlich konstant angenommen werden. Sie eignet sich gut für Kennfelder, Modellkalibrierung, Volllastlinien, Teillastpunkte und grundlegende Konzeptvergleiche. Transiente Motorsimulation berechnet zeitabhängige Vorgänge wie Lastsprünge, Fahrzyklen, Warmlauf, Turboladerhochlauf und Regelverhalten. Dadurch werden Speicherwirkungen, Verzögerungen, Überschwinger und thermische Trägheiten sichtbar. Stationäre Simulation ist schneller und oft ausreichend, wenn Mittelwerte oder stabile Betriebspunkte interessieren. Transiente Simulation ist notwendig, wenn Fahrbarkeit, Emissionen im Realbetrieb, Turboloch oder Temperaturverlauf bewertet werden sollen. Besonders bei aufgeladenen Motoren können stationäre Ergebnisse das reale Ansprechverhalten nicht vollständig beschreiben. In der Entwicklung werden stationäre Kennfelder häufig zuerst aufgebaut und anschließend durch transiente Simulationen für reale Manöver ergänzt.

Steuerzeiten

Steuerzeiten beschreiben die Öffnungs- und Schließzeitpunkte von Einlass- und Auslassventilen. Sie beeinflussen Zylinderfüllung, Restgasanteil, Ventilüberschneidung, Spülung, Pumpverluste und Drehmomentverlauf. Variable Steuerzeiten ermöglichen eine Anpassung an Drehzahl, Last und Betriebsstrategie. In 1D-Motorsimulationen sind Steuerzeiten besonders wichtig für Ladungswechseloptimierung, Miller-Zyklus, Atkinson-Zyklus und Turbo-Matching.

Stopfgrenze

Die Stopfgrenze beschreibt den Bereich im Verdichter- oder Turbinenkennfeld, in dem der Massenstrom trotz steigender Druckdifferenz kaum noch zunimmt. Sie entsteht durch sehr hohe lokale Strömungsgeschwindigkeiten und begrenzten Durchsatz. Beim Verdichter begrenzt sie den maximal möglichen Luftmassenstrom bei hohen Lasten und Drehzahlen. In der Motorsimulation zeigt die Stopfgrenze, ob der gewählte Lader für das Leistungsziel ausreichend Durchsatz bietet.

Systemsimulation

Systemsimulation betrachtet nicht nur ein einzelnes Bauteil, sondern das Verhalten eines vernetzten Gesamtsystems. In der Motorentwicklung umfasst das zum Beispiel Luftpfad, Abgaspfad, Turbolader, Zylinder, Kühlung, Abgasnachbehandlung und Regelung. Der Vorteil liegt darin, Wechselwirkungen sichtbar zu machen, die bei isolierter Bauteilbetrachtung übersehen werden. Systemsimulation ist besonders wichtig für Betriebsstrategie, Transienten, Kennfelder, Variantenvergleiche und frühe Konzeptentscheidungen.

Teillast

Teillast beschreibt Motorbetrieb unterhalb der maximal möglichen Last. In diesem Bereich wird ein Motor im realen Betrieb sehr häufig betrieben, weshalb Verbrauch, Wirkungsgrad und Emissionen besonders wichtig sind. Bei Ottomotoren können Drosselverluste und Zündstrategie den Teillastwirkungsgrad stark beeinflussen. In der 1D-Motorsimulation ist Teillast wichtig für Kennfeldverbrauch, Hybridstrategie, AGR, Aufheizverhalten und Fahrzyklen.

Transiente Motorsimulation

Transiente Motorsimulation berechnet zeitabhängige Änderungen von Motordrehzahl, Last, Drücken, Temperaturen, Massenströmen, Turboladerdrehzahl und Regelgrößen. Sie ist wichtig für Lastsprünge, Fahrzyklen, Warmlauf, Ladedruckaufbau, Emissionen und thermisches Verhalten. Im Unterschied zur stationären Simulation zeigt sie Verzögerungen, Überschwinger, Speicherwirkungen und Regelinteraktionen. Für aufgeladene Motoren und Hybridantriebe ist transiente Motorsimulation besonders wertvoll.

Transienter Fahrzyklus

Ein transienter Fahrzyklus beschreibt einen zeitabhängigen Betriebsablauf mit wechselnder Drehzahl, Last, Gangwahl, Temperaturen und Regelgrößen. In der 1D-Motorsimulation wird er genutzt, um reales Fahrverhalten, Verbrauch, Emissionen, Turboladeransprechen und Thermomanagement über einen Zeitverlauf zu bewerten. Im Gegensatz zu stationären Betriebspunkten zeigt ein Fahrzyklus dynamische Effekte wie Lastsprünge, Warmlauf, Ladedruckaufbau und Regelverhalten. Für moderne Antriebe ist diese Betrachtung wichtig, weil viele kritische Emissionen und Temperaturzustände im transienten Betrieb entstehen.

Turbineneintrittstemperatur

Die Turbineneintrittstemperatur ist die Abgastemperatur direkt vor der Turbine. Sie bestimmt zusammen mit Massenstrom und Druckverhältnis die verfügbare Abgasenthalpie für den Turbolader. Zu hohe Turbineneintrittstemperaturen können Turbinenrad, Gehäuse, Lagerung und Werkstoffe belasten. In der 1D-Motorsimulation wird sie als wichtige Grenze für Volllast, Ladedruckstrategie, Bauteilschutz und Turbo-Matching überwacht.

Turbinenkennfeld

Das Turbinenkennfeld beschreibt das Verhalten einer Turboladerturbine über Abgasmassenstrom, Druckverhältnis, Drehzahl und Wirkungsgrad. Es zeigt, wie gut Abgasenthalpie in Wellenleistung für den Verdichter umgesetzt wird. In 1D-Motorsimulationen beeinflusst es Abgasgegendruck, Turboladerdrehzahl, Ladedruckaufbau und Abgastemperatur. Für Turbo-Matching muss das Turbinenkennfeld immer gemeinsam mit dem Verdichterkennfeld bewertet werden.

Turboladerdrehzahl

Turboladerdrehzahl beschreibt die Drehzahl der gemeinsamen Welle von Turbine und Verdichter. Sie ist eine wichtige Betriebsgrenze, weil zu hohe Drehzahlen Lager, Verdichterrad, Turbinenrad und Festigkeit stark belasten. Die Turboladerdrehzahl hängt von Abgasenergie, Turbinenkennfeld, Verdichterarbeit, Wastegate oder VTG Stellung und transientem Betrieb ab. In der Simulation wird sie überwacht, um Überdrehzahl und unzulässige Betriebsbereiche zu vermeiden.

Turboladermodell

Ein Turboladermodell bildet Verdichter, Turbine, Welle, Trägheit, Wirkungsgrade und ggf. Regelorgane wie Wastegate oder VTG ab. Es verbindet die Abgasenergie mit der Verdichtung der Ansaugluft. Gute Turboladermodelle benötigen belastbare Verdichter- und Turbinenkennfelder sowie passende Wärme- und Reibannahmen. In der Motorsimulation ist das Turboladermodell entscheidend für Ladedruck, Abgasgegendruck, Luftmassenstrom und transientes Ansprechen.

Turboladerwirkungsgrad

Turboladerwirkungsgrad beschreibt, wie effizient Turbine und Verdichter im Zusammenspiel Energie umsetzen. Er setzt sich aus Verdichterwirkungsgrad, Turbinenwirkungsgrad und mechanischen Verlusten der Welle und Lagerung zusammen. Ein hoher Wirkungsgrad reduziert Abgasgegendruck, Ladelufttemperatur und Energieverluste. In der 1D-Motorsimulation beeinflusst der Turboladerwirkungsgrad direkt Verbrauch, Ladedruck, Abgastemperatur und transientes Verhalten.

Turbo-Matching

Turbo-Matching bezeichnet die Auswahl und Abstimmung eines Turboladers auf den Motor und dessen Betriebsbereich. Dabei werden Verdichterkennfeld, Turbinenkennfeld, Ladedruckziel, Luftmassenstrom, Abgasenergie, Wirkungsgrad und Betriebsgrenzen gemeinsam bewertet. Ziel ist ein guter Kompromiss aus Ansprechverhalten, Maximalleistung, Verbrauch, Pumpabstand und thermischer Sicherheit. 1D-Motorsimulation ist dafür besonders geeignet, weil viele Betriebspunkte und Varianten schnell berechnet werden können.

Turbo-Matching in 1D vs. Turbo-Matching am Prüfstand

Turbo-Matching in 1D nutzt Verdichterkennfelder, Turbinenkennfelder, Motormodelle und Betriebsgrenzen, um einen passenden Turbolader rechnerisch auszuwählen. Damit können viele Varianten schnell über Drehzahl, Last, Ladedruck, Pumpabstand, Abgastemperatur und Wirkungsgrad bewertet werden. Der Vorteil liegt in Geschwindigkeit, Variantenfähigkeit und früher Verfügbarkeit im Entwicklungsprozess. Turbo-Matching am Prüfstand misst das reale Verhalten am Motor mit echter Hardware. Dadurch werden Effekte sichtbar, die in der Simulation nur vereinfacht abgebildet sind, z.B. Wärmeverluste, Leckagen, Aktuatorverhalten, Fertigungsstreuung und reale Pulsationen. Der Prüfstand ist belastbarer, aber teurer, langsamer und hardwareabhängig. 1D-Matching reduziert die Anzahl der notwendigen Hardwarevarianten und macht Prüfstandsversuche zielgerichteter. Die saubere Entwicklungslogik lautet: Vorauswahl und Optimierung in 1D, Absicherung und Feinabstimmung am Prüfstand.

Variantenrechnung

Variantenrechnung bedeutet, mehrere technische Varianten mit einem vergleichbaren Simulationsmodell zu berechnen. Beispiele sind unterschiedliche Turbolader, Ventilsteuerzeiten, Ladeluftkühler, Rohrlängen, Brennverläufe oder Betriebsstrategien. Der Vorteil der 1D-Motorsimulation liegt darin, dass viele Varianten mit relativ kurzer Rechenzeit verglichen werden können. Wichtig ist, dass Randbedingungen und Auswertung konsistent bleiben, damit die Unterschiede wirklich aus der Variante stammen.

Ventilhubkurve

Die Ventilhubkurve beschreibt den Ventilhub über den Kurbelwinkel. Sie bestimmt, wann ein Ventil öffnet, wie schnell es öffnet, wie lange es geöffnet bleibt und wann es wieder schließt. Die Hubkurve beeinflusst Durchfluss, Ladungswechsel, Restgasanteil, Ventilüberschneidung und Pumpverluste. In der 1D-Motorsimulation ist sie eine zentrale Eingangsgröße für Ventilmodelle und Gaswechselberechnung.

Ventilmodell

Ein Ventilmodell beschreibt den zeitabhängigen Durchfluss durch Einlass- oder Auslassventile. Es nutzt Ventilhubkurve, Durchflusskoeffizienten, effektiven Strömungsquerschnitt und Druckverhältnisse. Das Ventilmodell ist entscheidend für Ladungswechsel, Restgasanteil, Pumpverluste und Zylinderfüllung. In der 1D-Motorsimulation muss es gut mit Messdaten oder 3D-CFD Durchflussdaten abgestimmt sein.

Verbrennungsdauer

Verbrennungsdauer beschreibt den Kurbelwinkel- oder Zeitbereich, in dem der wesentliche Teil des Kraftstoffs verbrannt wird. Häufig wird sie über Massenbruchpunkte wie MFB10 bis MFB90 definiert. Eine kurze Verbrennungsdauer kann den Wirkungsgrad verbessern, erhöht aber unter Umständen Druckanstiegsrate und Klopfneigung. Eine lange Verbrennungsdauer kann Wirkungsgrad und Stabilität verschlechtern und die Abgastemperatur erhöhen.

Verbrennungsschwerpunkt

Der Verbrennungsschwerpunkt beschreibt die Lage der Verbrennung relativ zum oberen Totpunkt. Häufig wird dafür MFB50 verwendet, also der Kurbelwinkel, bei dem 50 Prozent der Kraftstoffmasse verbrannt sind. Eine optimale Verbrennungslage ist entscheidend für Wirkungsgrad, Drehmoment, Abgastemperatur, Klopfen und Bauteilbelastung. In der 1D-Motorsimulation ist der Verbrennungsschwerpunkt eine zentrale Zielgröße für Zündzeitpunkt, Brennverlaufsmodell und Kalibrierung.

Verdichteraustrittstemperatur

Die Verdichteraustrittstemperatur ist die Temperatur der Luft direkt nach dem Verdichter. Sie steigt durch Verdichtung und hängt stark von Druckverhältnis und Verdichterwirkungsgrad ab. Hohe Verdichteraustrittstemperaturen reduzieren die Luftdichte und können Klopfneigung, Bauteiltemperaturen und Ladeluftkühlbedarf erhöhen. In der 1D-Motorsimulation ist sie wichtig für Ladeluftkühlerauslegung, Turbo-Matching und thermische Bewertung.

Verdichterkennfeld

Das Verdichterkennfeld beschreibt das Verhalten eines Turboladerverdichters über Massenstrom, Druckverhältnis, Drehzahl und Wirkungsgrad. Es zeigt außerdem Betriebsgrenzen wie Pumpgrenze und Stopfgrenze. In der 1D-Motorsimulation wird es genutzt, um den Verdichterbetrieb über das Motorkennfeld zu berechnen. Ein korrektes Verdichterkennfeld ist entscheidend für Ladedruck, Wirkungsgrad, Ladelufttemperatur und Pumpabstand.

Verdichterkennfeld vs. Turbinenkennfeld

Das Verdichterkennfeld beschreibt die Verdichterseite eines Turboladers. Es zeigt Massenstrom, Druckverhältnis, Drehzahl, Wirkungsgrad sowie Pumpgrenze und Stopfgrenze. Das Turbinenkennfeld beschreibt die Abgasseite des Turboladers. Es zeigt, wie Abgasmassenstrom, Druckverhältnis, Drehzahl und Wirkungsgrad in Wellenleistung umgesetzt werden. Für Turbo-Matching müssen beide Kennfelder gemeinsam betrachtet werden. Ein guter Verdichterbetrieb hilft wenig, wenn die Turbine zu viel Abgasgegendruck erzeugt oder zu wenig Leistung liefert. Eine gut passende Turbine kann den Verdichter aber ebenfalls in ungünstige Bereiche wie Pumpnähe oder Überdrehzahl treiben. In der 1D-Motorsimulation entscheidet die Kombination beider Kennfelder über Ladedruckaufbau, Verbrauch, Abgastemperatur, Ansprechverhalten und Betriebssicherheit.

Vibe-Funktion

Vibe-Funktion ist eine in manchen Softwareumgebungen oder Übersetzungen verwendete Schreibweise für die Wiebe-Funktion. Sie beschreibt den verbrannten Massenanteil über den Kurbelwinkel mit einer mathematischen S-Kurve. In der 1D-Motorsimulation wird sie genutzt, um einen vorgegebenen Brennverlauf einfach und robust abzubilden. Fachlich sollte die Schreibweise Wiebe-Funktion bevorzugt werden, wenn es um die etablierte Benennung im deutschsprachigen Motorkontext geht.

Vibe-Parameter

Vibe-Parameter sind die Einstellgrößen einer Vibe- bzw. Wiebe-Funktion. Sie bestimmen typischerweise Brennbeginn, Brenndauer, Formfaktor und Umsetzungsgrad der Verbrennung. Über diese Parameter kann ein simulierter Brennverlauf an einen gemessenen Druckverlauf angepasst werden. Die Parameter sollten physikalisch plausibel bleiben, weil ein rein mathematisch passender Brennverlauf sonst falsche Aussagen zu Wirkungsgrad, Temperatur und Klopfneigung erzeugen kann.

Volllast

Volllast bezeichnet den Betriebspunkt, bei dem der Motor bei einer bestimmten Drehzahl seine maximal mögliche Last oder Leistung abgibt. In der Simulation sind bei Volllast besonders Ladedruck, Luftmassenstrom, Kraftstoffmenge, Klopfgrenze, Abgastemperatur und Bauteilschutz relevant. Volllastpunkte sind wichtig für Leistungsziele, Turboladerauslegung, Kühlung und mechanische Belastung. Bei Wasserstoffmotoren muss Volllast zusätzlich mit Luftüberschuss, NOx, Vorentflammung und Rückzündrisiko abgestimmt werden.

Vorentflammungsmodell

Ein Vorentflammungsmodell versucht, das Risiko einer ungewollten Entzündung vor dem geplanten Zündzeitpunkt abzuschätzen. Einflussgrößen sind heiße Oberflächen, Druck, Temperatur, Kraftstoff, Öl, Ablagerungen, Gemischverteilung und lokale Reaktionsbedingungen. In 1D-Motorsimulationen ist die Vorhersage schwieriger als bei vielen Standardgrößen, weil Vorentflammung stark von lokalen und teilweise stochastischen Auslösern abhängt. Besonders bei hochaufgeladenen Ottomotoren und Wasserstoffmotoren ist eine konservative Bewertung wichtig.

VTG-Modell

Ein VTG-Modell beschreibt eine Turbine mit verstellbarer Geometrie. Es bildet ab, wie Leitschaufelstellung oder effektiver Turbinenquerschnitt Massenstrom, Druckverhältnis, Wirkungsgrad und Turbinenleistung verändern. VTG beeinflusst besonders das Ansprechverhalten bei niedriger Drehzahl und den Abgasgegendruck bei hoher Last. Für die Simulation sind passende Kennfelder oder Korrekturfunktionen über die VTG-Stellung entscheidend.

Wandwärmeverlust

Wandwärmeverlust beschreibt den Anteil der Verbrennungswärme, der an Brennraumwände, Kolben, Zylinderkopf und Zylinderlaufbahn abgegeben wird. Er reduziert den indizierten Wirkungsgrad, schützt aber gleichzeitig Bauteile vor Überhitzung. In 1D-Motorsimulationen wird Wandwärmeverlust meist über empirische Wärmeübergangsmodelle beschrieben. Die richtige Modellierung ist wichtig für Zylinderdruck, Abgastemperatur, Bauteiltemperaturen und Wirkungsgrad.

Wasserstoffverbrauch

Wasserstoffverbrauch beschreibt die Menge an Wasserstoff, die ein Wasserstoffmotor oder Brennstoffzellensystem im Betrieb benötigt. In H2ICE-Simulationen hängt er von Wirkungsgrad, Lambda, Ladedruck, Brennverlauf, Verlusten und Betriebsstrategie ab. Wegen der geringen Dichte von Wasserstoff sind neben dem Massenverbrauch auch Speicherbedarf und Tankvolumen wichtig. Für Vergleiche mit anderen Kraftstoffen muss der Heizwert und die Systemeffizienz berücksichtigt werden.

Wastegate-Modell

Ein Wastegate-Modell beschreibt das Verhalten des Bypass-Ventils, das Abgas an der Turbine vorbeiführen kann. Es berücksichtigt Öffnungsgrad, Durchflussquerschnitt, Druckverhältnis, Aktuatorverhalten und Regelstrategie. Das Wastegate beeinflusst Ladedruck, Turboladerdrehzahl, Abgasgegendruck und thermische Belastung. In der 1D-Motorsimulation ist ein realistisches Wastegate-Modell wichtig für Volllast, Teillast und transiente Lastsprünge.

Wastegate-Modell vs. VTG-Modell

Ein Wastegate-Modell beschreibt ein Bypass-Ventil, das Abgas an der Turbine vorbeiführen kann. Es beeinflusst Ladedruck, Turboladerdrehzahl, Abgasgegendruck und Abgastemperatur. Ein VTG-Modell beschreibt eine Turbine mit verstellbarer Geometrie, meist über Leitschaufelstellung oder effektiven Turbinenquerschnitt. Damit kann die Turbine über einen breiteren Betriebsbereich aktiv angepasst werden. Das Wastegate-Modell ist konzeptionell einfacher und bildet vor allem das Öffnen und Schließen eines Bypasspfads ab. Das VTG-Modell ist komplexer, weil sich Massenstromverhalten, Wirkungsgrad und Turbinenleistung mit der Geometriestellung ändern. Für transiente 1D-Motorsimulationen sind beide Modelle stark regelungsrelevant. Wastegate-Systeme sind einfacher und robust, VTG-Systeme bieten mehr Freiheitsgrade für Ansprechverhalten, Ladedruckaufbau und Abgasgegendruck.

Wärmeübergang im Rohr

Wärmeübergang im Rohr beschreibt den Wärmeaustausch zwischen strömendem Gas und Rohrwand. Im Abgastrakt beeinflusst er Abgastemperatur, Turbinenenergie, Katalysatoraufheizung und Bauteiltemperaturen. Im Ansaugtrakt kann Wärmeübergang Ladelufttemperatur, Dichte und Klopfneigung beeinflussen. In 1D-Motorsimulationen ist die Modellierung des Rohrwärmeübergangs wichtig für transiente Temperaturverläufe und Thermomanagement.

Wärmeübergangsmodell

Ein Wärmeübergangsmodell beschreibt, wie Wärme zwischen Gas und Wand im Motorprozess übertragen wird. In der 1D-Motorsimulation wird es benötigt, um Wandwärmeverluste, Gaszustände, Abgastemperatur und Wirkungsgrad zu berechnen. Häufig werden empirische oder halbempirische Modelle verwendet, weil die realen Vorgänge im Brennraum sehr komplex sind. Die Wahl und Kalibrierung des Wärmeübergangsmodells beeinflusst Brennverlaufsanalyse, Motorprozessrechnung und thermische Bewertung deutlich.

Wellenausbreitung

Wellenausbreitung beschreibt, wie sich Druck-, Temperatur- oder Geschwindigkeitssignale entlang von Leitungen und Kanälen bewegen. In Motoren ist sie zentral für den Ladungswechsel, weil Druckwellen im Ansaug- und Abgastrakt zeitlich mit Ventilereignissen zusammenwirken. Rohrlänge, Temperatur, Gaszusammensetzung und Strömungsgeschwindigkeit beeinflussen Laufzeit und Stärke der Wellen. In der 1D-Motorsimulation ist die korrekte Wellenausbreitung entscheidend für Resonanzaufladung, Pulsaufladung und transiente Gasdynamik.

Wiebe-Funktion

Die Wiebe-Funktion ist eine mathematische Funktion zur Beschreibung des verbrannten Massenanteils über den Kurbelwinkel. Sie wird in der Motorprozesssimulation häufig genutzt, um Brennbeginn, Brenndauer und Form des Brennverlaufs vorzugeben. Mit wenigen Parametern lässt sich ein plausibler Verbrennungsverlauf für Otto-, Diesel- oder Gasmotoren abbilden. Der Vorteil ist die robuste Anwendung, der Nachteil ist die begrenzte Vorhersagefähigkeit bei stark geänderter Geometrie oder Gemischbildung.

Wirkungsgrad

Wirkungsgrad beschreibt allgemein das Verhältnis von nutzbarer Ausgangsleistung oder Arbeit zur zugeführten Energie. In der Motorentwicklung wird zwischen thermischem, indiziertem, effektivem und mechanischem Wirkungsgrad unterschieden. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil Verluste aus Verbrennung, Wandwärme, Abgas, Reibung und Ladungswechsel an unterschiedlichen Stellen entstehen. In der 1D-Motorsimulation helfen Wirkungsgradgrößen, Verlustketten zu analysieren und Optimierungspotenziale zu finden.

WLTP-Simulation

WLTP-Simulation beschreibt die Berechnung eines Antriebssystems über den Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure. Sie dient zur Bewertung von Verbrauch, CO2, Emissionen, Warmlauf und Betriebsstrategie unter definierten Prüfbedingungen. Für Verbrennungsmotoren sind dabei Kaltstart, Abgasnachbehandlung, Teillastwirkungsgrad und transiente Lastwechsel besonders wichtig. 1D-Motorsimulation kann WLTP-Bewertungen unterstützen, bevor vollständige Prüfstands- oder Fahrzeugmessungen verfügbar sind.

Woschni-Modell

Das Woschni-Modell ist ein bekanntes empirisches Wärmeübergangsmodell für Verbrennungsmotoren. Es beschreibt den Wärmeübergang zwischen Zylindergas und Brennraumwand über Größen wie Druck, Temperatur, Bohrung und charakteristische Gasgeschwindigkeit. Das Modell wird häufig in 1D-Motorprozesssimulationen eingesetzt, weil es robust und etabliert ist. Seine Parameter müssen zur Motorart, zum Brennverfahren und zum Messdatenabgleich passen.

Zündzeitpunkt

Der Zündzeitpunkt beschreibt, wann der Zündfunke relativ zur Kurbelwellenstellung ausgelöst wird. Er beeinflusst Verbrennungsschwerpunkt, Wirkungsgrad, Drehmoment, Abgastemperatur und Klopfneigung. Ein früher Zündzeitpunkt kann den Wirkungsgrad verbessern, aber Druckanstieg und Klopfrisiko erhöhen. In 1D-Motorsimulationen wird der Zündzeitpunkt häufig als Kalibriergröße oder Optimierungsparameter genutzt.

Zylinderdruck

Der Zylinderdruck ist der Druck im Brennraum während eines Motorarbeitsspiels. In der 1D-Motorsimulation ist er eine zentrale Ergebnisgröße für Verbrennung, indizierte Arbeit, Druckanstiegsrate, Spitzenzylinderdruck und Wirkungsgrad. Aus dem Zylinderdruck lassen sich Brennverlauf, Heizverlauf und Mitteldrücke ableiten. Der Abgleich mit gemessenen Zylinderdruckdaten ist einer der wichtigsten Schritte zur Validierung eines Motorprozessmodells.